30. April 2018
Depositär der Originaltexte  Grundlage des Friedens

Helfen statt strafen. Sexuelle Gewalt: und jetzt? Vergib uns. Raus! es ist Frühling. Die Vollgeld-Reform.

Helfen statt strafen

Vielen Dank für Ihre Beiträge in der montagsZeitung dazu:

'Helfen statt strafen!'

Einer unserer wichtigen Slogans als KinderrechtlerInnen und KinderschützerInnen!

Da fängt die Misere schon an (wie Väterchen Staat Kinder erzieht): Erziehende kommen immer wieder ins gleiche Fahrwasser: Mit Macht über andere bestimmen! 'Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt!' (Erlkönig).

Dieses schlechte Beispiel wiederholt sich, da wir Menschen einen Nachahmungstrieb haben (Ballade von Erich Kästner). Auch die Erwachsenen! Sie schauen sich auch viel zu viele Filme mit Gewaltszenen an, in denen diese Macht und Gewalt erfolgreich (scheint) ist, ohne natürlich in die Tiefe zu leuchten.

Ich bin Mutter von vier erwachsenen Kindern und Grossmutter von dreizehn Enkelkindern, die ich zum Teil jede Woche einen bis zwei Tage begleite, um ihre Fragen zu beantworten.

Kinder im Lebensweg begleiten ohne Gewalt und im Respekt vor ihrer Eigenpersönlichkeit, ihrer Würde und ihrem Recht auf Geheimnisse und die altersentsprechende Mitsprache in allem, das sie betrifft (Partnerschaft: die Familie, ein Unternehmen), ist für mich die wunderbarste, anspruchsvollste, spannendste und lebenserfüllendste Aufgabe, die laut Studien - negativ oder positiv - bis zu zehn Generationen weiter wirksam werden kann.

Die Kinderrechte in der Schweiz sind noch in den Kinderbabyschuhen!

Da muss man/frau sich nicht wundern, wenn die erwachsenen Spitzbuben (Putin, Trump und wie sie alle heissen!) weiter mit Genuss um Geld und Macht 'spielen'!

Das 'Kinderschutzzentrum St. Gallen' ist eines unserer wichtigsten früheren Projekte! Heute wird es vom Kanton und vom Kinderspital getragen. Wir konnten uns davon zurückziehen und sind nun am Projekt 'Ombudsstelle Kinderrechte'.

Vielen Dank für die Beiträge der montagsZeitung für eine Gesellschaft, die nicht straft, sondern hilft.

Sexuelle Gewalt: und jetzt?

Ein Aufruf zur Nächstenliebe.
Oder: Hass hält Opfer in der Opferrolle fest.

Ich möchte leben.

In der letzten Zeit läuft es mir angesichts der sozialen und klassischen Medien kalt den Rücken herunter. Genau genommen macht mir ihre Macht Angst, wenn sie ungenügend kontrolliert ist. Kontrollieren bedeutet nicht Zensieren. Redakteure, Moderatoren, Journalisten, Leser und Zuhörer – wir alle tragen eine Verantwortung, wenn die Medien über die Stränge schlagen. Die Kehrseite der sozialen Medien ist es, jedem und jeder zu ermöglichen, seinem/ihrem Zorn freien Lauf zu gewähren. Man wird mich hassen – und das nehme ich voll und ganz hin.

Mein Angreifer ist kein Schwein

Die Kampagne „Verpfeif‘ dein Schwein“ („Balance Ton Porc“) löste in mir schlagartig heftige Reaktionen aus. Ich mochte weder den Ausdruck, der ihm gegeben wurde, noch das Ziel, das dahintersteckte. Eine Hexenjagd, die es ermöglicht, jemanden zu beschuldigen und fertig zu machen; offene Rechnungen zu begleichen. Ich bestreite nicht das Leid der Opfer, aber ich denke, dass die Lösung nicht in der öffentlichen Hinrichtung der Peiniger liegt. Angreifen, Belästigen, Vergewaltigen – all dies sind verwerfliche Taten und die Opfer müssen unterstützt und ermutigt werden in ihrem Bemühen Gerechtigkeit zu erlangen. Das menschliche Wesen ist zu Schrecklichem und Wunderbarem fähig. Dabei bilden die Opfer keine Ausnahme.

Ihr Leben lang müssen sie mit der Tat leben, die sie über sich ergehen lassen mussten. Jahre können vergehen, doch die lebendige Erinnerung an den Tag, an dem ihr Leben aus den Fugen geriet, wird bleiben. Diese Tragödie wurde wunderbar in dem Film Festen von Thomas Vinterberg thematisiert. Ein Familientreffen zum 60. Geburtstag des Vaters nimmt eine unerwartete Wendung. Das schreckliche Familiengeheimnis wird von Christian aufgedeckt, der, ebenso wie seine Zwillingsschwester, von seinem Vater missbraucht wurde, als er noch ein Kind war. Letzte hatte sich umgebracht, es war für sie der einzige Ausweg.

Schreiben bedeutet, sich auszudrücken. Sowohl als Kind als auch als Jugendliche wurde ich selbst Opfer sexueller Gewalt. Eine dunkle Kindheit, erschreckende Erinnerungen, dieses Leben scheint kein Ende zu nehmen. Die Angst ist allgegenwärtig. Scham, Schweigen, dann die Flucht ans andere Ende der Welt. Doch die Welt wird niemals groß genug sein, um dieser Vergangenheit zu entkommen. Die Lösung liegt in uns; nur in uns selbst – missbrauchten Frauen und Männern.

Albträume, Wut, Zorn und Hilflosigkeit sind unsere Gefährten. Ein Trauma, das unsere Existenz unbarmherzig zerfrisst. Das Wichtigste ist, zunächst einmal, darüber sprechen zu können, denn das größte Hindernis der Heilung ist das Schweigen – und sein Durchbrechen ist der erste Schritt Richtung Freiheit. Dies entwickelt sich oft in einem Krisenzustand.

Ein Flashback, während man das Geschirr abwäscht. Die Erinnerung dieses Körpers, der schmerzt. Die Schwierigkeit, gar Unmöglichkeit, seine Träume zu erfüllen, zu lieben und sich lieben zu lassen.

Reden ist ein Akt der Tapferkeit. Leider und viel zu oft ziehen es die Menschen aus dem Umfeld und der Familie vor zu leugnen. Als ich anfing, darüber zu sprechen, nach 30 Jahren, sagte man mir: „Wir haben die Wahl dir zu glauben oder nicht". Man hat sich dazu entschieden, mir nicht zu glauben. Therapiesitzungen folgten, über Jahre hinweg. Meine Leser und die Selbsthilfegruppen haben mir die Augen geöffnet: Nicht durch den Hass auf den Täter würde es mir besser gehen. Ganz im Gegenteil, genau das trug dazu bei, eine bereits eitrige Wunde weiter zu infizieren. Die Heilung lag im Reden, darin, meine Erfahrung mit anderen zu teilen.

Sprechen ist unerlässlich, doch das sollte man nicht einfach irgendwie tun. Und schon gar nicht im Rahmen einer Denunzierungskampagne auf Websites, die zur Lynchjustiz wird.

Bevor man öffentlich darüber spricht, muss man im Privaten darüber sprechen. Es fängt bei einem selbst an, da man sich erst des Ausmaßes dessen, was geschehen ist, bewusst werden muss. Dieser Prozess vollzieht sich einzig im privaten Raum. Ein Kind vertraut sich vielleicht seinem Hund an, ein Erwachsener spricht zuerst mit sich selbst, bevor er sich damit überhaupt an jemand anderen wenden kann. Erst nachdem ein Opfer das Wort ergriffen hat, kann es zur Tat übergehen. Den Täter anprangern, Hilfe suchen, ihn vielleicht sogar damit konfrontieren. Akzeptieren, was passiert ist, die gesamte Energie auf sich selbst richten und auf sich achten, um sich selbst wieder aufzubauen und zu einem glücklichen Leben zu finden. Jede Geschichte sexueller Gewalt ist einzigartig, jedes Opfer ein kostbares Wesen. Ein Schatz, der einfach leben will.

Jahrzehnte nach dem Unwiderruflichen habe ich den Täter damit konfrontiert – ich bot ihm an, ihm zu verzeihen. Er wusste nicht, wie er es akzeptieren konnte. Sei's drum – ich habe mich davon befreit, und das ist die Hauptsache. Er ist kein Schwein, er ist ein Mann, ein menschliches Wesen.

Während dieses Prozesses, der einem Hindernislauf glich, habe ich getobt vor Wut, gebrüllt, „ihm“ die Pest an den Hals gewünscht. Glücklicherweise habe ich Männer und Frauen getroffen, die mir zugehört, mich getröstet und mir den Weg gezeigt haben. Eines Tages habe ich an einem ganz besonderen Konfliktlösungstraining teilgenommen. Statt den Angreifer zu isolieren und auszugrenzen, lernten wir ihn zu integrieren und ihn einzuladen, Teil der Lösung zu werden. Ein menschlicher Ansatz – sowohl für das Opfer, als auch den Täter. Ich gebe zu, anfangs meine Zweifel gehabt zu haben. Dieser Ansatz erfordert es, gegen sich selbst zu gehen, um mit dem anderen, dem Vergewaltiger, zu kommunizieren. Es ist jedoch eine befreiende Geste, selbst wenn dieser die ausgestreckte Hand ablehnt. Wenn man den anderen als menschliches Wesen sieht, wird man auch selbst als Opfer wieder humaner. Man überträgt die Last dem anderen; so kann das Opfer seine Energie wieder finden, um sich selbst und das Leben zu lieben.

Man wird mich hassen – doch es waren weder feministische Gruppen, noch Denunzierungskampagnen, die mir geholfen haben. Es waren Selbsthilfegruppen, betreut durch Menschen wie mich. Aufgrund der geteilten Erfahrungen gelingt es, über einen Ansatz einfacher Glaubenssätze hinauszugehen.

Gleich wie gut die Absicht, es ist gefährlich in diesem Bereich intellektuell oder durch politischen Aktivismus motiviert Position zu beziehen. Die Sichtweise ist zwangsläufig beschränkt, ja voreingenommen. Es fehlt an Nächstenliebe. An Offenheit angesichts eines Themas, das über das „Schwein und das Opfer“ hinausgeht. Um helfen zu können, muss man lieben. Ich glaube nicht, dass dies bei den Denunzierungskampagnen der Fall ist, deren Ziel es lediglich ist, die mutmaßlichen Angreifer zur Schlachtbank zu führen. Der Hass hat niemals irgendetwas geheilt. Er hält das Opfer nur in seiner Opferrolle fest und verweigert ihm jegliches Recht auf Heilung. Es ist, als ob jeden Tag jemand kommt und die heilende Wunde wieder aufreißt. Es ist nie einfach: Ich kannte eine Frau, die als kleines Kind sowohl von ihrem Vater als auch ihrer Mutter missbraucht wurde.

Ich liebe die Menschen.
rubikon

Vergib uns

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

In obigem Artikel "Sexuelle Gewalt: und jetzt?" schreibt die Verfasserin als Untertitel: "Hass hält Opfer in der Opferrolle fest." Wenn wir ein Leben lang am Hass festhalten, sind wir ein Leben lang gefangen. Was bringt es dir, wenn der Täter bestraft wird, drei, sechs oder neun Jahre im Gefängnis ist? Du bist drei, sechs oder neun Jahre in deiner Opferrolle gefangen - und kommt der Täter danach frei, fühlt er sich als Opfer: Jahrelang wurde er vom Staat vergewaltigt! Und nun wieder draussen wird er von den Menschen ausgegrenzt: Ein Verbrecher! Und du als Opfer bist zum Täter geworden, weil du deinem Schudiger nicht vergeben hast.

Gewiss, er hat angefangen - jedoch du hast nicht aufgehört. Gott oder das Naturgesetz vergibt wie du! Verstehst du diese Kausalität? Gott oder das Naturgesetz vergibt SOFORT, wenn du SOFORT vergibst. Es plagt dich jedoch so lange, wie du andere plagst oder plagen lässt.

Stell dir vor, du hättest die Pflicht, den Verurteilten bei dir einzusperren und zu versorgen. Täglich gehst du dreimal in den Keller und bringst ihm zu Essen, lässt in raus, um sich zu waschen und sperrst ihn wieder ein. Wie lange würdest du das tun, bis du dich seiner erbarmst? Der Staat ist kalt und grausam, er kennt keine Empathie, keine Nächstenliebe. Er ist wie eine Maschine.

Du aber bist ein Mensch. "Statt den Angreifer zu isolieren und auszugrenzen, lernten wir ihn zu integrieren und ihn einzuladen, Teil der Lösung zu werden. Ein menschlicher Ansatz - sowohl für das Opfer, als auch den Täter." Dieser Ansatz erfordert es, gegen sich selbst zu gehen, um mit dem anderen, dem Vergewaltiger, zu kommunizieren. Es ist jedoch eine befreiende Geste, selbst wenn dieser die ausgestreckte Hand ablehnt.

"Mit dem Vergewaltiger zu kommunizieren" heisst, ihn zu ermahnen - nicht zu beschimpfen! -, sondern in ihm Empathie zu wecken, ihn aus deinen Augen sehen zu lassen. Viele von uns sehen die Welt nur aus ihren Augen, von ihrem Standpunkt aus. Sie sind innerlich verroht. Sie sehen einen Neger. Nun schlüpf in die Augen des Visavis, was siehst du? Einen Weissen - doch das bist du. Und wie siehst du dich aus den Augen des Gegenüber? Und du, nur du, kannst den Anderen ändern - weil der Andere, der Weisse, du bist. Du kannst ihm helfen und wirst ihn nicht strafen.

Empathie ist: die Nächstenliebe

Ein schönes afrikanisches Sprichwort sagt: Ich bin glücklich, wenn du glücklich bist.

Also, schlüpf in die Augen der Bettlerin und schau dich an. Was würdest du von dem Mann, der an dir vorüberkommt, erwarten? Und zurück in dir tu, was du tun kannst: Vielleicht ist es ein freundliches Wort, ein offener Blick. Vielleicht reift ein Projekt in dir: Mut tut gut - und gerade in der heutigen Zeit, wo das Mutigsein sehr schwer ist. "Sie selbst habe nie Angst haben müssen, erwerbslos zu werden", sagt eine Professorin, "aber ihre Enkelgeneration wachse mit dieser Angst auf. Das diszipliniert, macht uns passiv und lässt uns verrohen." Aus Angst.

Und was schüren die Medien der Herrschenden beständig? ANGST!

Raus! es ist Frühling

Deutsche Träume von einer Führungsrolle in Europa und der Welt haben sich oft genug als Albträume erwiesen. - Hubert Wetzel

Deutschland muss raus aus der Nato, raus aus dem Faschismus, der Verschmelzung von Staat und Grosskapital. DEUTSCHLAND IST DIES DER WELT SCHULDIG.

Die Vollgeld-Reform

Am 10. Juni 2018 stimmen wir über die Vollgeld-Initiative ab. Die Bundesparlamentarier, der Bundesrat und die Bankiervereinigung sind dagegen, weil das bestehende System gut funktioniere. Und die Initiative gefährlich sei, weil ein solcher System-Umbau unkalkulierbare Risiken mit sich bringe. Sie schüren ANGST!

Sie schüren Angst, ohne die herrschende Geld- und Währungspolitik zu erläutern - es funktioniert einfach gut. Basta.

Vergessen ist die Bankenkrise und die beständige Angst, das System könnte morgen schon kollabieren, weil es wertmässig exponentiell wachsen muss, um Zins- und Zinseszinsen zu erwirtschaften. Ausgeblendet wird, dass dieser Wachstumszwang Imperialismus und Ausbeutung bedeutet: Wir müssen unsere Interessen am Hindukusch "verteidigen", im Mittleren Osten ausweiten, in Afrika Märkte erschliessen, in China Lizenzen für "geistiges Eigentum" eintreiben, "Freihandel" durchsetzen und Mitbewerber ausbremsen, sanktionieren oder übernehmen usw. Wir müssen Löhne und Sozialleistungen beständig drücken, um konkurrenzfähig zu bleiben. Kurz, wir haben uns den Interessen des atlantischen Grosskapitals zu fügen.

"Die Oligarchien, die den globalisierten Finanzkapitalismus lenken, besitzen eine Macht, die kein Kaiser, Papst oder König in der Geschichte der Menschheit jemals innegehabt hat. Sie entziehen sich jeder staatlichen, zwischenstaatlichen, internationalen oder wie auch immer gearteten Kontrolle. Ihre Strategie gehorcht einem einzigen Prinzip: DER PROFITMAXIMIERUNG IN MÖGLICHST KURZER ZEIT." - Jean Ziegler

Peter Brabeck ist ein kultivierter Mensch und ausgezeichneter Skifahrer. Doch wenn er nicht jedes Jahr den Kurswert der Nestlé-Aktie um so und so viel Prozent in die Höhe treibt, ist er drei Monate später nicht mehr Präsident von Nestlé. Letztes Jahr löste Paul Bulcke ihn ab. Auch die Top-Manager sind getriebene in diesem System der rivalisierenden Oligarchien. Krass auch der Aufschrei der getriebenen Tops, als im November 2016 der für ihre Strategie Falsche US-Präsident wurde.

Trotzdem, es funktioniert einfach gut. Basta.

Für die Zivilbevölkerung funktioniert es überhaupt nicht gut! Wie zu allen Zeiten wird die Zivilbevölkerung mit Propaganda eingedeckt, wie gut es uns (im Verhältnis) geht - doch die Angst sei berechtigt: DER JUD, DER RUSS, DER CHINESE, DER MUSLIM SEI SCHULD! Nein, nein, das System der Oligarchien - pardon: der Liberalismus - sei gut und ein System-Umbau bringe unkalkulierbare Risiken mit sich.

Was will die Vollgeld-Reform?

Die Vollgeld-Initiative möchte erreichen, dass Giroguthaben der Kunden bei der Bank echtes Geld ist, das von der Bank nicht verwendet werden darf, sondern von ihr treuhänderisch verwaltet wird. Erst wenn der Kunde das Geld ausdrücklich auf ein Anlagekonto überträgt, darf die Bank es anlegen, d.h. damit Dritten Kredite gewähren - und der Kunde geht das Risiko ein, bei einer Bankenpleite seine Anlageguthaben zu verlieren. Das echte Geld auf dem Girokonto bleibt jedoch erhalten und wir können bei einer Bankenpleite nach wie vor unsere Rechnungen zahlen und Geld abheben. Auch die Firmen.

Die UBS war 2008 too-big-to-fail, weil mit der drohenden Pleite sämtliche Geldguthaben der privaten Haushalte und Firmen eingefroren worden wären. Darum wurde sie von Bund und Nationalbank mit 60 Milliarden Franken gerettet.

Als zweites möchte die Vollgeld-Initiative erreichen, dass die Nationalbank neu geschaffenes Geld schuldfrei in Umlauf bringt, und zwar über den Bund oder über die Kantone oder, indem sie es direkt den Bürgerinnen und Bürgern* zuteilt. Sie kann den Banken befristete Darlehen gewähren.

* Diese nationalistische Bestimmung wurde vom Komitee eingebracht und entspricht nicht der Intention des wissenschaftlichen Beirates. Der Beirat schrieb: privaten Haushalten.

Auf der Westseite des Bundesplatzes in Bern braucht der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer 43.5 Milliarden Franken und will dieses Geld mit der Direkten Bundessteuer und der Mehrwertsteuer eintreiben. Für das Eintreiben allein benötigt er einen Drittel der Einnahmen! Auf der Südseite des Bundesplatzes hat die Nationalbank 54 Milliarden Franken Überschuss - doch kein Parlamentarier und kein Bundesrat sieht einen Zusammenhang! Die Nationalbank könnte, was der Bund benötigt, einfach hinüberschieben. Aus und fertig mit Direkter Bundessteuer und Mehrwertsteuer.

Art. 99 Geld- und Währungspolitik

Wenn wir den heutigen Verfassungsartikel Geld- und Währungspolitik anschauen, braucht es gar keine Volksinitiative, denn Vollgeld wäre eigentlich Sinn der Verfassung und dieser Sinn wurde in den Gesetzen entstellt!

1 Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.

Es ist ganz klar: Der Bund allein bringt neu geschaffenes Geld in Umlauf.

2 Die Schweizerische Nationalbank führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient; sie wird unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes verwaltet.

Aus Absatz 1 und 2 geht hervor, dass die Zentralbank den Zahlungsverkehr führt und es macht Sinn, dass sie unabhängig ist, damit Bund und Kunden getrennt sind und der Kunde nicht der Staatsgewalt ausgeliefert ist. In Absatz 2 steht nirgends, dass Geschäftsbanken Kundengelder für Kredite verwenden dürfen!

3 Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten.

Die Erträge der Nationalbank sind Gebühren und Zinsen, daraus bildet/kauft sie ausreichende Währungsreserven. An diesen Absatz hält sich die Nationalbank - nach eigenen Worten (Thomas Jordan) - überhaupt nicht: Sie kauft mit neu geschaffenem Geld Währungen en mass.

4 Der Reingewinn der Schweizerischen Nationalbank geht zu mindestens zwei Dritteln an die Kantone.

Grundsätzlich kann eine Zentralbank keinen Reingewinn machen, denn was sie mehr einnimmt/zurücknimmt als sie in Umlauf bringt, mindert die Geldmenge. Sie kann jedoch aufgrund dieses Absatzes die Minderung der Geldmenge mit einer "Gewinnauszahlung" abschwächen und Geld den Kantonen zuführen.

Werden wir von 246 Idioten regiert?

Es bräuchte keine Volksinitiative, weil Art. 99 der Bundesverfassung sicheres Geld vorgibt - nur hält sich der Gesetzgeber nicht daran und beschliesst Gesetze, die dem Sinn der Bundesverfassung widersprechen.

Nein, wir werden nicht von Idioten regiert, sondern von schwarzen, roten, grünen, gelben Faschisten. Sie sind dem Liberalismus, dem Grosskapital hörig. Wir haben keinen einzigen Antifaschisten in der Bundesversammlung und auch keinen in den kantonalen und kommunalen Parlamenten!

Wir können die Volksinitiative annehmen oder ablehnen, es wird sich nichts zum Besseren ändern! Die Verschmelzung von Staat und Grosskapital ist in den Köpfen drin. Längst schon haben wir eine religiöse Sicht aufgegeben und sind stolz, ein säkularer Staat zu sein, der einer weltlichen Sicht dient: dem Finanzkapitalismus.

Wir sollten uns eine humane Sicht aneignen und eine menschliche Zivilgesellschaft bilden.

03.05.2018

Eine Weihnacht mit Marx

Elmar Altvater ist mit 79 Jahren in Berlin verstorben - am 1. Mai des Karl-Marx-Jahres. Die Linke, ob marxistisch oder weniger, verliert einen ihrer weltweit klügsten Köpfe.

30.04.2018

Ein Dialog mit Marx

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Sprechtheaters. Es findet statt am 5. Mai um 14.00 Zimmer 108 am SUFO GBS Schulhaus Kirchgasse 15 9000 St.Gallen. Vielen Dank für zahlreiches Erscheinen.


Kommentare zur vorangegangenen montagsZeitung