Nelli Bürge, Dinhard
Burnout kann als Erkrankung bezeichnet werden, bei der die Quellen unseres Daseins - Liebe, Arbeit und Wissen - verschüttet sind und neu gefasst werden müssen. Ich verstehe den Wunsch, sich bei der Neufassung vor allem Unangenehmen zu schützen, doch ist das unmöglich und jeder Schutz, den wir um uns aufbauen, nimmt uns etwas vom Leben, raubt uns das Vitalste - das Vertrauen.
Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr!
This Bürge
Seit Jahren weiss die christliche transatlantische Wertegemeinschaft nichts besseres, als den Islam zu verhöhnen, islamische Staaten auszuschliessen, zu sanktionieren und zu zerbomben und Hunderttausende von Menschen im islamischen Raum zu töten. Die öffentlichen Medien und die privaten Massenmedien werden nicht müde, primitive Karikaturen, Texte, Filme und Bücher zu propagieren und widerliche Produkte als Bestseller zu vermarkten. Ja, das Volk ist stolz auf die "Pressefreiheit" und die "Meinungsfreiheit" eines jeden, das Minarettverbot - und sieht nicht die Pressezensur, die Propaganda, die auf jeden niederprasselt. Lügenpresse wird zum Unwort des Jahres erklärt und dabei ist diese falsche Presse genau das: eine Lüge und nicht würdig, einzugehen unter unser Dach! Nicht würdig, unser Denken zu bestimmen!
Wir, die Transatlantiker, bedrohen die Welt - nicht umgekehrt!
Wir haben rund um den Globus todbringende Waffen- und vernichtende Wirtschaftssysteme installiert. Wir vergelten tausendfach, was uns angetan wird, wenn andere sich gegen uns zur Wehr setzen. Als ob es Christus nie gegeben hätte üben wir Rache, Rache, nichts als Rache und säen Hass, nichts als Hass. Wie Kasperlepuppen wandeln unsere Vertreter vorne an Umzügen. Zuvorderst Hollande, der nichts gegen die Charlie-Mentalität tut, stützt Merkel, die nichts gegen die Lügenpresse tut. Daneben Poroschenko, dessen Hände blutig sind, vom Schlachten der Menschen in der Ostukraine, vom Unterdrücken der anderen im eigenen Land.
Und wir fragen uns, warum sie die Schreie nicht hören, das Elend nicht sehen, das Verbrannte nicht riechen, wer eigentlich die Hände in diesen Kasperlepuppen hat. Wessen Finger stecken im Kopf, im rechten, im linken Arm dieser Puppen? Wer bewegt sie, wessen Text geben sie wieder, wer bestimmt die Handlung, wer führt Regie? Und dann haben wir noch einen braunen Kasperl am anderen Ende des Atlantiks, der immer wieder aus seinem Kabäuschen kommt, um Sanktionen und Kriege zu verhängen.
14 Tote
Zwei haben 12 Menschen in Paris getötet. Auf der Flucht in einem Versteck wurden die zwei von der Polizei getötet. Das war Mord. Frankreich wollte ihre Verteidigungsrede nicht hören. "Wir sind keine Krieger", sagte Charlie Hebdo Chefredakteur Gérard Biard, "wir haben niemanden getötet." Man dürfe Denker und Künstler nicht in dieselbe Kategorie einordnen wie Mörder. "Wir müssen damit aufhören zu erklären, dass jene, die schreiben und zeichnen, Provokateure sind, die Benzin ins Feuer giessen." Wie feige! Wie Mobber, die sich unschuldig erklären, weil sie "nur gemobbt haben". Ja, es gibt eine Pressefreiheit, die zu verteidigen ist: Die Wahrheit. Die Presse aber, die lügt, verschweigt, provoziert, mobbt, Propaganda betreibt darf sich nicht hinter dieser Freiheit verstecken. Die Lügenpresse, namentlich "Charlie Hebdo", ist verantwortlich für die 14 Toten in Paris und jeder, der "je suis Charlie" sagt, ist es auch.
"Jede Religion hat eine Würde, über die man sich nicht lustig machen kann", sagt das Oberhaupt der katholischen Kirche. Mit einer Geste an den Organisator seiner Manila-Reise gewandt fährt Franziskus fort: "Wenn mein Freund Dr. Gasbarri meine Mutter beleidigt, dann erwartet ihn ein Faustschlag." Ehrliche, wahrhaftige Worte.
skrupellose Verantwortungslosigkeit
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 15. Januar 2015 in völligem Widerspruch a) zu den Zusischerungen zwecks Vermeidung der Goldinitiative; b) den Zusicherungen vor wenigen Tagen; bezüglich Stützung des EURO einfach den Stecker gezogen und damit Turbulenzen an den Finanzmärkten und Börsen verursacht und grobfahrlässig in Kauf genommen, was zu heute noch nicht absehbaren Schäden führt. Es wurden fürs Erste Schäden in der Grössenordnung von gegen 150 Milliarden bewirkt, wobei einmal mehr die Sparer und Kleinanleger bluten müssen. Es ist an der Zeit, dass die Blackbox SNB ausgeleuchtet wird und zu hinterfragen ist, ob die Führungsriege der SNB nicht "trans Jordan" zu schicken sei? Es darf ob dieser skrupellosen Verantwortungslosigkeit nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden! Das Vertrauen in die SNB ist schwer erschüttert und nicht so rasch wieder herzustellen. Die Begründung des Präsidenten Thomas Jordan ist alles andere als plausibel, viel mehr geradzu grotesk.
spekulative Währungspolitik
Im September 2011 hat die SNB unter dem Präsidenten Philipp Hildebrand, der wegen Eigenhandel mit Währungen den Dienst später quittierte, einen Mindestkurs von Fr. 1.20 pro Euro festgesetzt, nachdem die Nationalbank lange Zeit Fr. 1.50, dann immer weniger und bis auf unter einem Franken für einen Euro bezahlt hat. Die Linken, aber auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann haben einen Mindestkurs von Fr. 1.40 gefordert. Viele andere haben aber ein Eingreifen generell abgelehnt und die SNB zu einer vernünftigen, ihren Eigenmitteln entsprechenden Währungspolitik aufgefordert. Hochspekulativ hat sie trotzdem eingegriffen und beliebig viele Euros gegen neue Franken gekaufen und für jeden von den Banken angeschleppten Euro Franken 1.20 bezahlt. Verkaufte Franken sind ausgegebene Franken, die vom Käufer nicht mehr zurückbezahlt werden müssen. Das heisst, diese mittlerweile 453 Milliarden Franken riesige Geldmenge ist an keine Schuld gebunden und kann von der Nationalbank nicht mittels Zinsen oder Rückzahlungsvereinbarung verkleinert werden. Die Nationalbank hat geldpolitisch ihre Instrumente aus der Hand gegeben - die Geschäftsbanken schulden ihr keinen Rappen - und kann lediglich versuchen, die Euros gegen Franken zu verkaufen, und wird dabei in der Regel Verluste machen, denn Euro kann die Eurozone selber herstellen und braucht sie nicht bei der SNB zu kaufen: Die Europäische Zentralbank (EZB) bringt nämlich im Rahmen ihres Programms zur Quantitativen Lockerung 1'000 Milliarden zusätzliche Euro in den Umlauf.
Ganz klar bestimmt Art. 99, Abs. 3 der Bundesverfassung: Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten. Seit September 2011 verstösst die SNB gegen die Bundesverfassung und hat spekulativ und weit über ihren Erträgen Währungen gekauft.
dubiose Geldpolitik
Zusammen mit der Aufhebung des Mindestkurses hat die SNB beschlossen, den Negativzins von -0.25% auf -0.75% zu "senken". Der Freibetrag von mindestens 10 Millionen Franken bleibt bestehen. Betroffen von Negativzinsen sind ausschliesslich ausländische Banken und die Postfinance. Unglaublich: Die beiden Grossbanken, die Kantonalbanken und andere inländische Banken, die Kreditgelder aus dem Nichts schöpfen, erhalten so grosse Freibeträge, dass sie keine Negativzinsen bezahlen. Mitteilung SNB
neoliberale Blackbox
Die SNB scheint weder die Währungen noch das Geld im Griff zu haben. Die Postfinance verwaltet ein durchschnittliches Kundenguthaben von 106'000 Millionen Franken. 211'131 Millionen Franken auf den Girokonten der SNB gehören inländischen Banken. Die Postfinance zahlt ab 22. Januar 2015 und bis auf weiteres 800 Millionen Franken Negativzinsen, die inländischen Banken zahlen nichts.
Einzig der Gewinn der Postfinance, der zu 100% in die Bundeskasse fliesst, wird mit der dubiosen Geldpolitik geschmälert, respektive auf ein Minus gesetzt, denn im Jahr 2013 betrug der Gewinn der Post insgesamt 625 Millionen Franken; einzig der Reinertrag der Nationalbank, der vollständig an die Kantone und den Bund geht, wird mit der spekulativen Währungspolitik geschmälert; die Gewinne der inländischen Banken aber bleiben privat.
Es gibt keine politische Partei, die für Ordnung sorgt. Es gibt keine Presse, keine öffentlichen Medien, die sich für das Volk einsetzen.
In den drei Jahren nach der Wahl Salvador Allendes zum Präsidenten Chiles 1970 verstaatlichte die Regierungspartei Unidad Popular die Bodenschätze des Landes - Kupfer, Eisen, Nitrate, Kohle -, die von jeher in ausländischen Händen gewesen waren, und weigerte sich, auch nur einen symbolischen Dollar Entschädigung zu zahlen; sie weitete die Agrarreform drastisch aus und verteilte die Grossgrundbesitze alter, mächtiger Familien unter den Bauern, was eine Feindseligkeit ohnegleichen auslöste; sie entmachtete die Monopole, die seit Jahrzehnten den freien Wettbewerb auf dem Markt unterbunden hatten, und zwangen sie, Produkte zu einem Preis zu verkaufen, der für die Mehrheit der Chilenen angemessen war. In abgelegenen Städten wurden Krankenhäuser gebaut, und die Mindestlöhne erreichten eine vernünftige Höhe. Von aussen verfolgte man den Prozess mit Neugier - ein kleines lateinamerikanisches Land hatte den Weg einer friedlichen Revolution gewählt. Im Ausland hatte Allende weitgehend das Image eines fortschrittlichen Politikers, der beharrlich darauf hinarbeitete, die Lage der Arbeiter zu verbessern und die ökonomischen und sozialen Ungerechtigkeiten zu überwinden, aber in Chile selbst wurde er von der Hälfte der Bevölkerung gehasst, und das Land war in unversöhnliche Gruppen gespalten. Die USA, in tausend Ängsten, dass seine Ideen Erfolg haben und der Sozialismus sich unaufhaltsam über den ganzen Kontinent ausbreiten würde, strich die Kredite und verhängte eine Wirtschaftsblockade. Dies und die Obstruktionstaktik der Rechten und die Fehler der Unidad Popular erzeugten eine Krise von nie gesehenen Ausmassen.
Kommunismus? Ich glaube nicht, dass der Doktor eine kommunistische Gesellschaft errichten kann oder will. Im Moment ist er gar nicht in der Lage, den bürgerlichen Staat abzuschaffen. Durch den zivilen Ungehorsam der Rechten, die Versorgungsengpässe und den Schwarzmarkt, durch Nixons Druck und die Forderungen der Linken, den revolutionären Prozess zu beschleunigen und das Volk zu bewaffnen, während die Opposition nach dem Militär ruft, hat er längst die Kontrolle über das Land verloren. Mit Ausnahme der Kommunisten verletzen seine linken Verbündeten immer öfter das, was vom Rechtsstaat geblieben ist, den der Doktor so achtet und verteidigt. Es ist einsam um ihn geworden. Und das weiss er. Vermutlich spricht er deshalb so viel vom Tod und dass er dem Vaterland ein Blutbad ersparen will. Er lässt sich mehr von Gefühlen als Gedanken leiten, mehr vom Herz als vom Kopf, von Utopien statt der Wirklichkeit. "Ich gehe, weil uns etwas Wesentliches trennt, das wir nie überwinden werden können: Sie, Doktor, glauben, dass die Welt besser werden kann, während ich glaube, dass die Welt schon immer ein Saustall war und es auch immer bleiben wird, im Jahr 506 genauso wie im Jahr 2000. Ich gehe, Doktor, aber ich verrate Sie nicht. Ich gehe, weil ich glücklich sein möchte, denn mir bleiben nicht mehr viele Jahre. Ihr Rufino"
Aus den Büchern:
Am 3. Januar 2015 ist Nelli Bürge, eines der Mitglieder aus der Gründungszeit der Organisation Solidarischen Schweiz (SOS) gestorben. Sie war ein grossartiger, fröhlicher Mensch, der glücklich war und glücklich machte. Die Kirche Dinhard war bis auf den letzten Platz besetzt, was zeigt, dass auch Menschen, die nie Vermögen und Macht hatten, sehr viele und vieles bewegen. Ihre letzten Worte waren: "Schtärbe isch schü." Dankä für alles und bhüet Di Gott liebi Mueter!
INHALTSVERZEICHNIS
30.01.2015
Es stimmt, die Leser merken's, wer sie anlügt und wer realistischen Journalismus betreibt. In Deutschland hat das Handelsblatt in den deutschen Medien zugelegt. Steingart ruft im Umgang mit Putin zu mehr Realismus auf. Auch kritisiert er eine massiv „verbale Mobilmachung“ in den deutschen Medien. Gabor Steingart, 52, Journalist, ist Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt.
Deutlich am meisten Leser verloren - fast 10 Prozent (!) - haben Bild und Die Welt, beide aus dem Axel-Verlag.
27.01.2015
Wie in Chile beim Umsturz der gewählten Regierung im Jahr 1973 hat die USA auch in der Ukraine einen Bürgerkrieg angezettelt. Oleh Anatolijowytsch Zarjow hat am 20. November 2013 - lange vor dem Putsch am 22. Februar 2014 - im ukrainischen Parlament eine offizielle Untersuchung über die Aktivitäten der USA, namentlich der US-Botschaft, in der Ukraine gefordert. Dieses Video ist bisher kaum beachtet worden. [link]
22.01.2015
Die Lügenpresse verliert seit Jahren beständig Abonnenten und Leser. Gegenüber dem Vorjahr:
1 Bild -213.468 (-9,2%)
2 Süddeutsche Zeitung -18.803 (-4,7%)
3 Frankfurter Allgemeine -24.448 (-7,4%)
4 Die Welt -21.868 (-9,8%)
5 Handelsblatt +2.689 (+2,3%)
6 taz.die tageszeitung -4.309 (-7,4%)
7 Neues Deutschland -1.681 (-5,2%)
20.01.2015
Ich konduliere Dir herzlich.
Der Verlust eines geliebten Menschen ist der Höchste.
Zum Artikel:
Auch ich möchte mich gänzlich von dem geschriebenen Text distanzieren.
In Paris ist etwas Tragisches passiert, für die Betroffenen der blanke Horror (für ihre Familien, Kinder, Angehörige) auch für ganz Frankreich.
Du hast recht wenn Du meinst, dass wir als Gesellschaft keine Heiligen sind, wir tragen Nike Schuhe aus Drittweltländern, tolerieren Feldzüge, bei welchem es um Öl geht, profitieren vom Zahngold aus dem 2ten Weltkrieg und andere Gräuel.
Aber:
Das gibt Dir nicht das Recht die Polizei zu verurteilen oder in irgendeiner Form die Menschen, welche sich in der Trauer vereint symbolisch gegen einen Akt aus blinder Wut stellen.
Auch diese Menschen sehen die Welt nicht rosarot, auch diese Menschen (manche von ihnen) sind intelligent und hinterfragen Dinge, Ursache und Wirkung usw.
Die Gefahr welcher Du Dich aussetzt ist, dass diese Zeitung von nun an sicherlich überwacht wird.
Ich bitte Dich uns aus den geschriebenen Gedanken fern zu halten.
Schreib lieber über die Welt, welche ungerecht ist - das ist sie, aber ziehe nicht einen Link zur Tragik von Paris.
Gruss aus Zürich
20.01.2015
"... wurden die zwei von der Polizei getötet. Das war Mord."
Sorry, jetzt ist beim Montags-Zeitungs-Macher definitiv eine Sicherung durchgebrannt! Was hat das noch mit "Menschen im Zentrum" und "Grundlagen des Friedens" zu tun? Sie können doch nicht ernsthaft behaupten, die Polizei habe gemordet, die Kouachi Brüder dagegen nur eine "Verteidigungsrede gehalten", die niemand hören wollte!?! Nicht einmal die Weltwoche schreibt so einen Schmarren! Ich werde mich als Montagszeitungs-Abonnent abmelden!
20.01.2015
Lest bitte den Abschnitt '14 Tote' mit dem Hinweis, dass die Schreiberlinge der Satire-Zeitschrift verantwortlich sind für dieses 14-fache töten. Dies trifft auch meine Meinung ...