17. August 2015
Depositär der Originaltexte  Grundlage des Friedens
Eurasischer Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok
Leserbeiträge
Die Fuggerei

Jakob Fugger "der Reiche" stiftete 1516 für mittellose betagte Bürger von Augsburg die Fuggerei: eine kleine Vorstadt mit 67 Reihenhäuser zu je zwei Wohnungen. Stiftung und Siedlung bestehen noch heute; die Jahresmiete blieb unverändert: 1 Rheinischer Gulden, in heutiger Währung 88 Cent pro Jahr! fugger.de

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört

"Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?" "Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!" Und sie zeigten sie ihm. "Wessen Bild und Aufschrift ist das?" "Des Kaisers." "So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!"

Wir erkennen aus diesem Dialog das damalige Geldsystem: Der Kaiser prägt Münzen und zahlt damit Waren und Dienste, die er benötigt. Die Münzenempfänger bringen das Geld weiter in Umlauf. Per Gesetz werden dem Volk Steuern auferlegt und jeder Gezählte (dazu diente die Volkszahlung im Jahr 0, um das Steuerregister zu führen) musste jährlich Steuern bezahlen - womit das Geld wieder beim Kaiser war.

Die Steuern konnten statt in Münzen auch in Naturalien bezahlt werden. Und diese Liste, wie viel Korn, Schafe, Öl, Käse, Holz, Wolle, Leder etc. in Münzen wert ist, bestimmte den Wert der Münzen.

Die Münzen flossen nicht vollständig zum Kaiser zurück, sondern blieben zum Teil in Umlauf. Und nach und nach entstand ein Geldwesen in der Bevölkerung. Mit Geld konnte man Waren kaufen und Dienste entlohnen und der Wert war an die Naturalien gebunden. Falschgeld war natürlich ein Thema und mit dem Münzenprägen ist das erste Urheberrecht entstanden. Es war absolut verboten, Münzen zu kopieren.

Mit den Münzen und dem Urheberrecht kam auch das Geld-Darlehen. Eine spitzfindige Idee, wie sich Geld doch und legal kopieren lasst. Der Beruf des Wucherers wurde erfunden, vielleicht zuerst im Semitischen Raum, weil dieser wirtschaftlich weiter entwickelt war als das übrige Römische Reich. Immer aber haben die Wucherer mit dem Machthaber zusammengearbeitet und seine Macht - und den Reichtum der Reichen - vergrössert.

Und als die Kaiser vom Volk gestürzt wurden (die letzten in Europa waren bis 1918 der Deutsche Kaiser Wilhelm II. und der Kaiser von Österreich Karl I.; der letzte russische Kaiser Nikolaus II. wurde 1917 zur Abdankung gezwungen.) haben die Wucherer, die sich nun Bankiers nennen, de facto das Geldwesen übernommen und fortan gab es keinen Staat mehr, der Geld druckte und einfach ausgab. Dem Staat oblag die Durchsetzung des Urheberrechts und die Bestrafung der säumigen Schuldner und natürlich der Schutz der Reichen - Geld aber borgte er sich als Darlehen von den Banken.

Bevor wir zum Darlehen kommen: Was hielt Jesus von Geld? Natürlich waren ihm Münzen, Steuern und Wucher bekannt. Und er wusste, dass das Römische Geldsystem nicht dem Frieden, sondern der Bereicherung oder, die andere Seite betrachtend, der Ausbeutung (Verarmung) der Bevölkerung diente. Dass Jesus und seine Jünger selber Geld besassen, ist eher zu verneinen - nur eines der vier Evangelien behauptet: "Er, Judas, hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte." - doch folgt dieses Spätwerk, das Johannesevangelium, eigenen Werten, erzählt als einziges Evangelium die Geschichte "Auferweckung des Lazarus von den Toten" und nimmt eine kritische Darstellung "der Juden" vor, die in der Geschichte des Christentums oft als Anlass für judenfeindliche Haltungen und Aktionen genommen wurde. Nehmen wir stattdessen das Matthäusevangelium:

Von der Tempelsteuer

Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoss erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.

Das Kind und seine drei Bücher

Jedes fünfjährige Kind versteht sofort, dass das Darlehen übel ist: Wohl kann es drei Bücher ausleihen und sie zurückfordern. Doch wird es diese - als Darlehen gegeben - nicht zurück erhalten, wenn das Gspänli diese Bücher einem Dritten schenkt, weil sie nun des Dritten Eigentum sind! Der Dritte darf die Bücher als Eigentum behalten und der Zweite hat sie nicht mehr. Der Fünfjährige kann sich beim Zweiten einen Ersatz aneignen, doch kann er seinerseits der Bibliothek die drei Bücher, die der Dritte hat, nicht zurückgeben. Verlangt die Bibliothek sogar vier Bücher, obwohl sie nur drei ausgeliehen hat, ist das kapitalistische Modell und die Unmöglichkeiten vollständig beschrieben und wird nur noch dadurch pervertierter, dass der Dritte die Bücher der Bibliothek bringen und diese sie ihm als sein Eigentum gutschreibt und bereit ist, einen Teil des imaginären vierten Buches, das gar nie in Umlauf kam, den Zins, den sie vom Ersten verlangt, mit dem Dritten zu teilen.

Das Geldwesen darf nicht verändert werden!

Wird es aber! Vom heute Fünfjährigen, der sagt: "Das ist ungerecht!"

Der Darlehensvertrag

"Das Darlehen ist eigentlicher Sitz und Ursprung der Sünde", erkannte Papst Benedikt XIV 1745. Und diese Erkenntnis umgesetzt, führt zu einem anderen Geldsystem, als wir es heute kennen.

Die Schweiz ist Griechenland andersrum

In der Schweiz liegen die öffentlichen Schulden im Rahmen, während die privaten Haushalte sich "unbemerkt" hoffnungslos verschuldet haben. Wir Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Schuldenmachen. In keinem anderen Land der Welt haben die privaten Haushalte so hohe Schulden wie hier bei uns!

"Mit durchschnittlich 76'200 Euro pro Kopf war die private Verschuldung Ende 2012 so hoch wie in keinem anderen Land weltweit. Der Verschuldungsgrad gemessen in Prozent der Wirtschaftsleistung lag bei 124%, auch hier nach den Niederlanden (127%) der höchste Wert." Quelle

Wer in der Schweiz ein Haus kauft, denkt nicht im Traum daran, die Schulden zurückzuzahlen. Der Eigentümer zahlt die Zinsen und damit hat es sich und mehr könnte er auch nicht zahlen. Uii, und wenn die Zinsen steigen, dann hat das ganze Land ein Problem - nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Mieter und der Staat auch. Und damit steigen nebst den Wohnkosten auch die Steuern und das noch verfügbare Konsumgeld wird kleiner, was zu Stellenabbau und Lohnabbau führt, die Wirtschaft schrumpft, die Steuern steigen erneut und auch die Zinsen, weil Ausfälle sich häufen. Die Privatkonkurse führen zu sinkenden Werten der Häuser, die doch niemand kaufen kann, weil die Zinsen hoch und das verfügbare Einkommen klein sind. Und ehe es uns recht klar ist, stehen wir schlechter da als die Griechinnen und Griechen.

Wir können natürlich ergebenst der Dinge harren, die da kommen und bei jedem Fünften (!) schon Alltag sind, nur verschwiegen halt von den Massenmedien, die bis zum Untergang die Mächtigen loben, von denen sie abhängig sind.

Wir sollten einen Plan-B ausarbeiten - und nichts anderes tun wir in der montagsZeitung, als Alternativen aufzuzeigen, damit wir daraus einen Plan machen können.

Art. 26 Eigentumsgarantie BV

1 Finanz-Darlehen und darlehensähnliche Finanzgeschäfte sind unlauter; jeder behält zu Eigentum, was in seinem Besitz ist. 2 Niemand darf für Grund und Boden und damit verbundenen Einrichtungen Pacht oder Mietzinsen verlangen; der Eigentümer kann mit dem Besitzer einen angemessenen Beitrag in den Erneuerungsfonds vereinbaren.

Dieser Artikel, in Kraft gesetzt, befreit alle Schuldner (private Haushalte, Unternehmen und Staat) und alle Mieter und Pächter. Gleichzeitig wird die Zentralbank die Geschäftsbanken im Umfang der wegfallenden Schuldner mit neuem Geld versehen, unter der Auflage, dass nur derjenige Teil der liquiden Mittel frei verwendet werden darf, der über allen Kundenguthaben einschliesslich der langfristigen liegt. Die Zentralbank zahlt bestehende Obligationen der öffentlichen Hand bei Fälligkeit mit neuem Geld. Die Zentralbank bürgt für den einbezahlten obligatorischen Teil der Beruflichen Vorsorge und für die Auszahlung der laufenden BV-Renten. Die Zentralbank aktiviert die Ausgabe von neuem Geld und kann den Bestand mittels Negativzinsen auf dem umlaufenden Geld reduzieren; Geschäftsbanken dürfen keine tieferen Negativzinsen auf Kundenguthaben verlangen.

Und schon schnurrt das Motörchen Schweizer Real-Wirtschaft wieder!

Die einen haben schuldfreies Land und schuldfreie Häuser, die anderen haben echtes staatliches Geld. Und die EU reibt sich erstaunt die Äuglein, nur die Griechen sagen: "Wir haben's ja gesagt!" Und weil das eine so prächtige Initiative wird, möchten wir auch Grund und Boden der Hortung entziehen sowie das geistige Eigentum wegmachen, schon darum, weil wir vieles selber produzieren müssen, wenn unsere transatlantischen Freunde uns wegen Bodenrecht und Wucherverbot sanktionieren. Zum Glück haben wir den Rhein und damit Meeranstoss! Über den Rhein handeln wir mit unseren Freunden - zum Beispiel in Südafrika, China, Indien, Russland oder Brasilien.

Die Postloan-Epoche

Doch wenn wir die Darlehen (engl. loan) abschaffen, was kommt danach? Es ist ja ausgeschlossen, dass wir wieder ins Schuldsystem zurückkehren, wo wir doch wissen, wie vernichtend das System ist (und wie leicht wir das System beseitigen).

Unser kapitalistische Wertesystem funktioniert nicht mehr, wenn wir Darlehen verbieten. Auf einen Knall haben die einen gratis Häuser und die anderen gratis echtes, staatliches Geld. Das Neue ist nicht bedrohlich, es ist gut so - aber es ist anders, es ist eine Postloan-Epoche angebrochen, eine Zeit nach den Darlehen.

Vor dieser neuen Epoche scheuen EU, USA aber auch die BRICS-Staaten zurück. Übrigens sollten die BRICS-Staaten möglichst rasch ein islamisches Land in ihre Gruppe aufnehmen, denn das Postloan-Gedankengut ist dem Islam vertraut - wie es auch den Katholiken, Orthodoxen, Hinduisten, Kommunisten bekannt ist: Bei Licht betrachtet, läutete die Reformation (Nordeuropa, Schweiz, USA) das Loan-Gedankengut ein. Zu den Missständen der damaligen Kapitalsverteilung (Grund und Boden) kam eine neue Kapitalform (Darlehen) dazu, die einen viel höheren Ertrag (Zinsen) abwarf als die Ernte, weil der Ertrag nicht an Grund und Boden gebunden war. Der Kapitalismus war geboren. (16. Jahrhundert)

Keynes: Zinsen sind eine vorübergehende Phase

"Es ist sicher, dass die Welt die Arbeitslosigkeit nicht länger dulden wird. Ich bin überzeugt, dass es nicht schwierig wäre, den Bestand an Kapital bis auf einen Punkt zu vermehren, auf dem seine Grenzleistungsfähigkeit (Rentabilität) auf einen sehr niedrigen Stand gefallen wäre. Dieser Zustand würde den sanften Tod des (Kapital-) Rentners bedeuten und folglich den sanften Tod der sich steigernden Unterdrückungsmacht des Kapitalisten, den Knappheitswert des Kapitals auszubeuten. Der Besitzer von Kapital kann Zinsen erhalten, weil das Kapital knapp ist, gerade wie der Besitzer von Land einen Pachtzins erhalten kann, weil das Land knapp ist. Aber während Gründe für die Knappheit von Land bestehen mögen, bestehen an sich keine Gründe für die Knappheit des Kapitals. Ich betrachte daher die Rentnerseite des Kapitalismus als vorübergehende Phase, die verschwinden wird, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben wird. Und mit dem Verschwinden der Rentnerseite wird noch vieles andere einen Gezeitenwechsel erfahren." John Maynard Keynes. Quelle

Eine schöne Geschichte zum Schluss

Das Eltern-Haus

Als eine ihrer beiden Töchter das erste Enkelkind zur Welt brachte, hat sie das Elternhaus erhalten und die Eltern sind in eine Wohnung wenige Fussminuten entfernt gezogen. Das Haus in Schaffhausen mit Blick auf den Rhein blieb Treffpunkt der Familie und hier trafen sich die fünf Geschwister, die Grosseltern und die Enkel an Weihnachten, an Sonntagen.

Jedes Jahr machten wir im Sommer Ferien im Elternhaus meiner Mutter und trafen dort auch Grossmutter. Oder wir sprangen zu ihr, um sie abzuholen. Selten nur besuchten wir sie in ihrer kleinen Wohnung. Heute ist sie alt, die Fussminuten werden länger. Bleib noch etwas, grossartige, kleine Frau. Und wenn du doch nach Hause gehst, behüte uns. Ich danke dir für alle!

21.08.2015

Griechenland, besteht doch Hoffnung?

Neuwahlen in Griechenland. Alexis Tsipras kandidiert mit seinem zwei Drittel Teil der SYRIZA, der Energieminister Panagiotis Lafazanis mit dem Teil, der sich nun "Laiki Enotita" (Volkseinheit) nennt. Der Finanzminister Yanis Varoufakis und die Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou, die beide Tsipras' Sparpolitik ebenfalls ablehnen, haben sich noch nicht positioniert.

18.08.2015

Warum kosten unsere Häuser immer?

Das frage ich mich schon lange: Warum haben wir keine abbezahlten Häuser? Ständig sind sie (wieder) etwas "wert" und wir zahlen und zahlen, statt zu wohnen wie in Augsburg. Auch ein Eltern-Haus sollte doch auf null sein - 1 Franken pro Jahr kosten (ohne Nebenkosten). Und die Läden und Werkstätten natürlich auch!

17.08.2015

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört

Vielleicht bedeutet "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört", dass wir das Geld dem Kaiser zurückgeben und es gar nicht verwenden sollen ...

Griechenland wäre mit einem echten Schuldenschnitt, wie unter Darlehensverbot beschrieben, viel besser bedient und niemand würde etwas verlieren.

Nach dem Darlehensverbot kann noch immer in Unternehmen direkt investiert werden und mit den Dividenden verschwindet die Rentnerseite doch noch nicht: Ähnlich wie bei Darlehen die Zinsen übertreffen die Dividenden das Beteiligungskapital um ein Vielfaches und ohne Ende. Die Rentnerseite ist noch nicht verschwunden, wie das Keynes fordert.

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